Zeittafel


Diese Zeittafel wird in nächster Zeit weiter ergänzt. Copyright: Christine Doege

1898/1899

Die Glashütte wird 1898/1899 in Ichendorf, einem Ortsteil von Bergheim/Erft, erbaut.(1)

Das Eisenbahnnetz (Transportweg), die Braunkohlegruben (Energie) sowie die nahen Quarzsandvorkommen bilden die Voraussetzung für die Gründung einer Glashütte in Ichendorf.

Über diese erste Glashütte liegen z. Z. keine weiteren Informationen vor.

1907

Die "Deutsche Glaswerke G. m. b. H." wird 1907 in Ichendorf bei Köln am Rhein gegründet, Direktor ist W. Degens.

Der Enkel der Besitzerfamilie unterrichtet uns 2003 über die damaligen Besitzverhältnisse:

Sein Großvater Dr. phil. nat. Franz Anton Zilkens, geb. 1. 5. 1878 in Köln, gefallen im Ersten Weltkrieg, am 30. 3. 1915, bei Pont à Mousson, Frankreich, besitzt 51 % der Anteile an der Ichendorfer Glashütte.

Sein Urgroßvater, Franz Josef Zilkens, besitzt 49 % der Anteile. Franz Josef Zilkens stirbt im April 1915 in Köln, zu diesem Zeitpunkt ist er an zahlreichen Firmen beteiligt, z. B. an einer Ziegelei in Köln-Ossendorf.

Durch den Tod beider, den Ersten Weltkrieg und die Inflation geht für die Familie alles verloren.

1918

Nach dem Ersten Weltkrieg vollzieht sich der Inhaberwechsel, das Unternehmen wird in "Ichendorfer Glashütte m. b. H." umbenannt, Direktor ist Dr. Konrad Almering.

Die Zeitschrift Porzellan - Glas schreibt in einem Rückblick:

"Den ersten Aufschwung erhielt das Unternehmen nach dem Ersten Weltkrieg unter den Eigentümern Siekmann und Vilmar und der Leitung des längjährigen, bis 1953 amtierenden, Geschäftsführers Almering.

Den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichte sie in den dreißiger Jahren, als sie mit drei Öfen und etwa 700 Beschäftigten einen bedeutenden Ausstoß vornehmlich geschliffener Kelchgläser hatte." (Porzellan - Glas 8/1981, S. 209)

1922

Im Adressbuch der Glas-Industrie von 1922 wird Folgendes erwähnt:
"Fabrikat: Kelchglasgarnituren, Krüge, Vasen, Bowlen, Pokale, Römer in Überfang u. Kristall.
- Export: Holland, Schweiz, England u. Kolonien, Amerika.
- Schleiferei mit 75 Werkst., Aetzerei, Gravieranstalt. - 350 Arb. (Arbeiter)
- 2 Siemensöfen, 32 Häfen, 2 Temper- u. 3 Muffelöfen. Feuerung: Braunkohle, Briketts ..."

1938

Das Werk erzeugt 1938 täglich rund 30.000 Stück mundgeblasene, veredelte Gläser und hat damit die größte Kelchglasproduktion in Deutschland. 80 Prozent der Produktion gehen ins Ausland.

1938 erfassen die Nationalsozialisten alle Betriebe, um herauszufinden, welche Betriebe in jüdischer Hand sind.

Die Verantwortlichen der Ichendorfer Glashütte werden ebenfalls befragt.

Eine Kopie der Formulare befindet sich im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv in Köln.

Als Geschäftsführer wird Fabrikdirektor Konrad Almering, wohnhaft in Köln-Braunsfeld, Meister-Johannstr. 1, aufgeführt.

Als Eigentümer werden genannt:
Frau Grete Siekmann, Bielefeld, Wertherstr, 41
Frau Maria Siekmann, Bünde/Westf.
Frau Gertrud Vilmar, Bremen, Am Dobben 34
Ernst Albrecht Siekmann, Bassum b/Bremen.

Die Glashütte bleibt bis 1968 im Besitz der Familie Siekmann/Vilmar.

1939

1939 beschäftigt die Glashütte 530 Arbeiter.

1946

Nach Beseitigung der größten Kriegsschäden läuft der Betrieb Mitte 1946 wieder an.

In der direkten Nachkriegszeit werden auch Einmachgläser hergestellt. Ein Formenbauer z. B. erhält 10 Gläser und kann als Prämie nochmals 20 Gläser dazu bekommen. Wenn am Freitag die Lohntüte verteilt wird, bekommen die Mitarbeiter der Hütte auch die Einmachgläser. Die Bauern aus dem weiten Umland (bis zur Eifel) warten schon vor dem Werkstor und tauschen die Gläser gegen Speck, Eier und Schinken.

Die Einmachgläser werden automatisch gepresst, sie sind an den Rillen in der Gummiauflage zu erkennen. Der Gummiring soll durch die Rillen besser haften. Einige Gläser tragen die Marke "Ichendorf" oder ein bisher unbekanntes Kürzel.

1953

Rudolf Penkert übernimmt die Geschäftsführung. In Zusammenarbeit mit Professor Heinrich Sattler, München, entwickelt er eine "neue Linie zweckdienlicher, festlicher Trink- und Tischgläser". (Zitat aus einem Faltblatt 1959 der Ichendorfer Glashütte)

Die Glashütte firmiert als: ICHENDORFER GLASHÜTTE VERTRIEBS-K.G. SIEKMANN & Co.

1954

Die Firma produziert 1954 über 2.000 verschiedene Kelchglasmuster.

1957

Die Ichendorfer Glashütte feiert das 50jährige Jubiläum.

1968

Die Glashütte hat Überkapazitäten und gerät in Schwierigkeiten.

Die Firma Dr. Rickmann & Rappe aus Köln-Kalk (Hersteller von Email und Emailfarben) übernimmt eine wesentlich Beteiligung an der Glashütte.

Die 300 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

Der Kölner Stadt-Anzeiger notiert am 16./17. November 1968:

"Wie die Ichendorfer Glashütte gestern in einer kurzen Information verlauten ließ, hat die Firma Dr. Rickmann und Rappe die Absicht, auch die restlichen Anteile der Hütte von der Familie Siekmann zu erwerben. Danach soll der Betrieb durch großzügige Investitionen auf den modernsten Stand der europäischen Glashütten gebracht werden."

Hauptgeschäftsführer ist Fritz Rickmann. "Zm kaufmännischen Geschäftsführer hat Fritz Rickmann seinen Prokuristen Hans Ludwig Uersfeld (40) eingesetzt, technischer Geschäftsführer bleibt Rudolf Penkert (48)." (Kölner Stadt-Anzeiger vom 9. 12. 1968)

Die Zeitschrift Porzellan - Glas schreibt rückblickend:

"Die Marke ICHENDORF wurde als Begriff für höchste Qualität auf dem Kristallsektor und für bestes Design ausgebaut.

Leuchtkraft und Brillanz des Ichendorf-Kristalls wurden verbessert. Gleichzeitig wurde der Betrieb rationalisiert und von der Größenordnung her an die Marktgegebenheiten angepaßt.

Zu den Trinkglasgarnituren wurde ein breites Geschenkartikelprogramm aufgebaut, daneben Sonderserien mit künstlerischem Anspruch oder historischem Hintergrund. Die Vertriebspolitik wurde eindeutig zugunsten des Facheinzelhandels ausgerichtet." (Porzellan - Glas 8/1981, S. 209)

1971

Die Ichendorfer Glashütte beschäftigt rund 260 Mitarbeiter.

"Unter dem Farbtitel "Sky blue" kamen im Frühjahr dieses Jahres eine Reihe von Serien auf den Markt, deren Glas einen kaum merklichen Blauschimmer aufweist: vier Trinkglasserien und einige Vasen. Star dieser Serien ist das Programm "Orion" mit einer großen eingeschlossenen Luftblase."
35 % der Gesamtproduktion wird exportiert. (Kölner Stadt-Anzeiger 28. Juli 1971)

Mitteilungen der IHK vom 15. 12. 1971:

Prämierung von Ichendorf-Gläsern

Bei der Verleihung der Preise im Design-Wettbewerb des Deutschen Weininstituts und des Vereins der Glasindustrie e. V. zur Schaffung weingerechter Gläser wurden zwei mundgeblasene, handgefertigte Rotweingläser der Ichendorfer Glashütte prämiert. Den ersten Preis erhielt das Glas aus der Serie "AURELIUS", den dritten Preis ein Glas aus der Serie "ROMA".

1980

1980 erfolgt der Zusammenschluss mit der Dorotheenhütte. "Das Sortiment beider Hütten zusammen ist das wohl breiteste in der gesamten inländischen Handglasindustrie." (Porzellan - Glas 8/1981, S. 209)

1986

Die Ichendorfer Glashütte stellte ihren Betrieb im Juni 1986 ein.